Segelbericht Kroatientörn 2017

Erlebnisbericht 
über unseren 7-tägigen Segeltörn Kroatien 2017

Autor: Klaus Gattinger

 

Kurze Eckdaten

Kroatien
: 23. - 30.September 2017 

Gebiet:  Kornaten

Schiff: Bavaria 50 (15,5 Meter)
 10 Kojen auf 5 Kabinen verteilt
 3 Bäder mit Dusche und WC


Crew: 6 Damen, 1 Herr


Skipper: Christian und Klaus


Seemeilen: 154

 

Irgendwie war es bei unserem Törn-Vorbereitungstreffen an Bord der „Sir Shackleton“ schon klar, dass dies ein sehr schöner und auch ein cooler Törn werden würde. Aber daß es so schön und so cool sein würde?

 

Etwas müde aber auch neugierige Augen sehen uns am Morgen der Anreise gespannt an. Schon während der Fahrt nach Kroatien lernt sich ein Teil der Crew besser kennen, wir lachen viel und malen uns aus, was wir auf unserer Reise so alles erleben werden.
Die auf einem anderen Weg Angereisten erwarten uns bereits. Schnell findet sich die Gruppe zusammen und ist sich einig bei der Kojenverteilung. Der laute und hektische Trubel in der Marina Seget Donji lässt die Sehnsucht nach der Ruhe der See nur noch größer werden. So arbeiten wir alle zügig um das Schiff zu übernehmen, den Proviant zu bunkern und die Kojen zu beziehen. Der erste kühle Drink im Cockpit ist dann auch so was wie der lautlose Startschuss zu unserem Törn.

 

Nach einer guten und langen Nacht - das Abendessen war lecker und kurz, alle waren hundemüde von der Anreise und so war es recht früh still und dunkel an Bord - legen wir endlich ab. Sonnenschein, leichter Wind aus Ost bis Süd, die Segel gehen hoch und die Maschine aus. Sanft wiegt das Deck, die Schoten knarren ein wenig und in langsamem Auf und Ab rauscht die Bugwelle. Angekommen - loslassen. 

Es ist ein schönes Gefühl zu spüren wie bei einem selbst und bei allen anderen der Alltag mit jeder Meile Segeln einfach abblättert, an Deck bröselt und vom Wind über Bord geweht wird. Statt dessen nimmt der Bord-Alltag langsam seinen Lauf. Positionsbestimmung, Kurse festlegen, Segeleinstellung und Trimm. Noch lässt die Mannschaft uns das alles tun. Die Faszination des Blaus der See ist offensichtlich viel stärker als das Interesse an Seemannschaft. Gut so. Erst als der erste Snack ins Cockpit kommt und dort nur sehr kurz die Sonne sieht taucht die erste Frage nach dem heutigen Ziel auf. Luka Stupica auf der Insel Zirje ist das Ziel und nun wird auch schon mal ein Blick in die Seekarte riskiert um sich zu orientieren. In der Bucht angekommen entfaltet sich Südseefeeling. Baden, Schnorcheln und der erste Bootsausflug auf die Insel. Dann trifft sich die Crew zum Sundowner im Cockpit und aus der Pantry duftet es schon sehr verführerisch. Es gibt eine wichtige Regel an Bord: Wer kocht muss nicht spülen! Und daß das Abspülen in einer kleinen Schiffspantry auf gar keinen Fall eine ungeliebte Aschenputtel-Arbeit sein muss, das beweist die Spül-Crew dieses Abends dann gleich mal mit einer spontanen Live-Konzert-Einlage inklusive Gesang und Tanz. Die besten Partys finden eben in der Küche statt.

Die Nacht ist wild. Eine Gewitterfront zieht über uns hinweg. Das Schiff liegt sicher und ruhig, der Wind heult in der Takelage, es gießt in Strömen, die Blitze sind grell und machen die Nacht zum Tag. Warm, trocken und kuschelig ist´s in der Koje, auch wenn wir hin und wieder bei dem lauten Donnerschlag hochschrecken. Aber es ist alles gut und das Gewitter zieht weiter.

Bei Regen und bedecktem Himmel, verpackt in Ölzeug und warmem Pulli legen wir ab  und segeln weiter nach Norden durch die Kornaten. Das graue und regnerische Wetter legt eine ganz besondere Stimmung auf diese so besondere, karge und faszinierende Landschaft aus Wasser und Fels. Manchmal ist es uns, als segelten wir im hohen Norden, in den Hebriden oder den Shetlands. Es ist hier nur nicht ganz so grün. Und trotz oder vielleicht sogar wegen des schlechten Wetters ist dieser Teil des Törns einer der interessantesten und bemerkenswertesten. Und regelmäßig kommt für die Cockpit-Crew etwas Warmes aus der Pantry hochgereicht. Auch das ist Segeln.

Unser nächster Ankerplatz liegt in der Bucht Mir auf Dugi Otok und natürlich wollen wir zum „Silbersee“ und auf die Steilklippen der Insel. Beim Übersetzen mit dem Dingi werden die besonderen Tücken im kontrollierten Umgang mit dem Außenborder einigen Hosen zum Verhängnis, die in etwas sportlich gefahrenen Kurven das einschwappende Wasser aufsaugen müssen. Aber das Kielwasser in Serpentinenform war hübsch anzusehen und sorgte vor allem bei den benachbarten Yachten für Heiterkeit.  

Jeder Törn hinterlässt ein paar wenige, tief eingeprägte Bilder, die einen ein Leben lang begleiten. Der Ausblick von den Steilklippen über das Meer, über dem sich die letzen dunklen Regenwolken nach Osten verziehen und große helle Löcher für das Sonnenlicht freigeben, das die See und den Himmel in ein grandioses Muster aus Blau-, Grau-, Braun- und Gelbtönen verwandelt - das ist eines dieser besonderen Bilder dieses Törns.

Am nächsten Morgen erwartet uns wieder herrliches Wetter und wir erkunden den hintersten Winkel der Telascica Bucht, schweben sanft über türkises Wasser und an grünen Hängen vorbei durch diesen traumhaften und (zumindest an diesem Morgen) stillen Ort. Man möchte bleiben, so verführerisch wirkt die Szenerie aus Himmel, Wasser, Wald und Stille. Doch wir wollen segeln. Draußen, vor den Kornaten bekommen wir dann auch, wonach wir uns so sehnen - Segelspaß pur.
Die Sonne lässt die weißen Kronen der tiefblauen Wellen blitzen wie Brillanten, der kraftvolle Nordwestwind drückt sich mächtig in die Segel und lässt die Schoten knarren. Unsere Crew ist in ihrem Element und wechselt sich mit breitem Grinsen am Ruder ab. Die Yacht läuft fantastisch und wir überlegen schon, wie weit es bis Italien ist. Die Topspeeds lösen sich im Minuten Rhythmus ab und die Gischt am Vorschiff klatscht den Beifall dazu. 

Und damit dieser fantastische Segeltag seinen Zauber auch am Abend nicht verliert, soll er ganz besonders ausklingen können. In unserer Ankerbucht für die Nacht auf der Insel Katina angekommen, folgt zuerst die legendäre „Floating-Bar“, die bei unserer Crew größtes Staunen und helle Begeisterung auslöst. Dazu landet unsere Gangway im Wasser auf die Gläser für die ganze Crew und der feine Rotwein kommen. So ausgestattet treibt die Crew rund um die „Bar“ durch die Bucht. Ein herrliches Vergnügen. 

Zurück an Bord erklingt auf einmal Reggae Musik und wir finden uns in einer spontanen Karibikparty im Cockpit wieder. Kornibik? Karibnaten? Es ist einerlei. In diesem Moment schwebt das leichte Lebensgefühl über unser Schiff wie der Duft der Büsche und Sträucher von Land übers Wasser her weht - und sich weiter auf dem Meer verliert. 

Das Abendessen in der Fischkneipe fällt, dem Tage angemessen, recht feudal aus, was sich auch an dem Gesichtsausdruck unseres Bordkassen-Verwalters beim Betrachten der Rechnung ganz klar zeigt. Nun, Kroatien ist nicht mehr günstig, das wird angesichts der mit München durchaus vergleichbaren Preise deutlich. Aber der Blick über die Bucht in den Sonnenuntergang, den kann München nun wirklich nicht bieten. So treten wir nahezu pleite aber sehr glücklich die Fahrt zurück zum Schiff an, wo dieser großartige Tag noch einen sehr würdigen Abschluss erfährt.

Früh am Morgen, es ist noch fast dunkel, rumort es an Bord und der Außenborder des Dingis zerreißt die Ruhe der Bucht. Der größte Teil der Crew macht sich auf den Weg ein großartiges Schauspiel zu erleben. Dazu steigen Sie auf den Gipfel des Inselberges - und wer jemals auf dem Berg von Katina war wird bestätigen können, dass dies ein sehr, sehr  besonderer Ort ist. Schweigend streifen die einen durch die Felsen und betrachten die Steintürmchen, die dort errichtet sind und jedes für sich eine geheime Geschichte ihres Erbauers erzählt. Andere suchen sich einen Platz auf einem der Felsen und warten. Warten auf eines der intensivsten Schauspiele, die man auf See erleben kann. Zuerst löst ein diffuses Grau die Dunkelheit auf und läßt erste Konturen der vorgelagerten Inselchen erkennen, die verstreut in dem tiefschwarzen Wasser schweben. Dann gießt die aufkommende Dämmerung ein intensives Blauviolett zwischen die noch dunklen Inseln, das von der See noch reflektiert wird. Und dann endlich, zwischen den Hügelketten des Festlandes spitzt der erste Strahl der Sonne hervor und taucht die Szene von oben beginnend ganz langsam in goldenes Licht. Mit jeder Minuten weicht das kalte Blauviolett vor dem warmen Gold des Morgens zurück. Die ersten Strahlen der Sonne treffen auch uns und vertreiben die klamme Kühle von der Haut. Die Lebensgeister erwachen langsam und mit unbändiger Kraft. Es wird nicht gesprochen - wozu auch. Diesen Augenblick erlebt jeder anders und Worte sind manchmal zu klein. Beseelt und mit strahlenden Augen kehrt die Crew zurück an Bord, wo die Langschläfer bereits das Frühstück im Cockpit vorbereitet haben. Kaffee, Rührei, frisch gebackenes Brot, Marmelade, Wurst und Käse. Vorbei ist es mit der Ruhe und die Crew erkundigt sich freudig schnatternd nach dem Plan für den Tag. Es steht ein gemütlicher Seetag an, der uns aus den Kornaten Richtung Sibenik führen soll.

Der Wind ist zuerst träge und so ist es die Crew auch. Bis auf die Wache gibt sich jeder mehr oder minder dem Müßiggang an Bord hin. Zu den bevorzugten Tätigkeiten an diesem Tag gehören Dösen in der Koje, Lesen im Cockpit, Sonnenbaden auf dem Vorschiff, Tagebuch schreiben im Salon, Baden im Meer oder Genießen der kleinen Einsamkeit im Bugkorb. Es ist schon ein besonderer Platz an Bord, dieser Bugkorb. Bei rauer See manchmal gar nicht erreichbar, kann er einen bei ruhigem Wetter verzaubern und weit weg entführen. Auf dem kleinen Brettchen sitzend, die Füße vorne über den Bug baumeln lassend und mit dem Rücken am Vorstag angelehnt meint man über das Wasser zu fliegen, denn das Schiff liegt verborgen außerhalb des Blickes. Diese herrliche Illusion wird begleitet vom regelmäßigen Aufrauschen der Bugwelle und lässt jedem Gedanken an Sorgen oder Verpflichtung keinerlei Chance. Und so lernt der eine oder andere aus der Crew diesen Platz kennen und schätzen und genießt es offensichtlich, sich verzaubern zu lassen.

Der nächste Tag führt uns den Krka-Fluss hinauf nach Skradin. Die Yacht folgt dem sich durch Felsschluchten schlängelnden Fluss und das Panorama links und rechts ist fantastisch. Natürlich wollen wir die Krka-Wasserfälle besuchen doch die recht vollbepackten Ausflugsschiffe sind so einladend wie eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. Die Crew entscheidet sich spontan für Miet-Fahrräder und so folgen wir mit großem Spaß dem Pfad entlang des Flusses und werden mit großartigen Aussichtsplätzen belohnt. Zu den Krka-Fällen nur soviel: Die Fälle sind schön und es sind sehr viele Menschen dort.
So sind wir froh über die Ruhe, die nach dem Ablegen wieder an Bord einkehrt und genießen die deftige Brotzeit im Cockpit, denn die Fahrradtour hat uns hungrig gemacht.
Im Grunde war der Tag perfekt und es wäre ungerecht mehr von ihm zu verlangen. So fahren wir sehr zufrieden raumschots unter Genua mit Kurs auf unsere letzte Ankerbucht vor Primosten in den Abend hinein und freuen uns auf das vermeintlich letzte Highlight des Tages, das Abendessen. Da bietet sich uns ein unglaublich, weil im Grunde schon fast kitschig schöner Sonnenuntergang, wie man ihn sich in seinen schönsten Südseeträumen vorstellt aber nie zu erleben glaubt. Glutrot, riesig, mit einer kleinen Wolkenbank als Schärpe geschmückt versinkt die Sonne im Meer und zeichnet eine breite, goldene Spur über das bewegte und schwarzblaue Wasser, die direkt zu unserem Schiff führt, auf dem wir stehen und staunend dieses Spektakel verfolgen. Besser geht beim besten Willen nicht.

Der letzte Tag auf See schenkt uns nochmal viel Sonne und vergisst dabei ganz offensichtlich noch an den Wind zu denken. So kommen wir nur sehr langsam auf unserem Kurs zurück nach Seget Donji voran, was aber nicht stört, denn eilig hat es inzwischen keiner mehr an Bord. 

Wir danken unserer tollen, neugierigen, fröhlichen und leidenschaftlicher Crew für diese wunderbare Reise. 

Auf bald wieder und immer eine Hand breit Wasser,

Christian & Klaus